• Sarah Schoeneich

4 Könige - oder: wenn Schmerz gespürt werden will.

Ich kenne es von mir, dass ich bei Filmen weinen muss (bzw. überhaupt erstmal kann, doch das ist ein anderes Thema).

Aber nach dem Film war irgendwas anders. Ich musste heulen wie ein Schlosshund und konnte gar nicht mehr aufhören.


Wegen der schieren Wucht meines Weinens war für mich klar, dass dort gerade irgendeine alte Wunde berührt wird und es Schmerz gibt, der gespürt werden will.


Vivian Dittmar (u.a.) unterscheidet Gefühle von Emotionen. Sie sagt, Gefühle treten im Alltag ständig auf und klingen recht schnell auch wieder ab (so ähnlich, wie wenn du beim Yin Yoga die Haltung wieder löst und dann dem Rebound nachspürst, vielleicht so 30 Sekunden).


Wenn ein Gefühl länger da bleibt, dich sogar hartnäckig über Stunden oder Tage verfolgt oder, wie bei mir gestern, deine Reaktion im Verhältnis zum Auslöser verhältnismäßig heftig erscheint, haben wir es meist mit Emotionen zu tun.


Das sind laut Dittmar (und auch z.B. Peter Levine, dem Begründer von Somatic Experiencing) Gefühle, die im Moment des Auftretens nicht gespürt oder verarbeitet werden konnten und deshalb wie im Körper feststecken.


Ich habe mich während des Weinens daran erinnert und mal bewusst gespürt, was da eigentlich ist und habe bemerkt, dass dieser Film mein Gefühl wieder hat aufleben lassen, in meiner Jugend mit all den herausfordernden Gefühlen wie Wut, Angst, Schmerz und auch Scham komplett alleine zu sein. Niemanden zu haben, der mich irgendwie dadurch führt oder auch einfach nur dort mit mir ist, an diesen dunklen Orten.



Ich habe gestern das Alleinsein im Dort und Damals betrauert. Das tat gut. Und als mir das klar wurde, konnte ich auch meinen Blick wieder aufs Hier und Jetzt richten und bemerken, dass es heute anders ist. Dass ich nicht alleine bin und auch, dass ich diese Gefühle mittlerweile containen kann.


Heute fühlt es sich friedlich an.


“You have to wrestle with the anger in order to get to the heartbreak. You have to get to the heartbreak in order to get to the healing.”

(Lama Rod Owens)

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